DIN EN 1838 – Notbeleuchtung und Sicherheitsbeleuchtung

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Die Notbeleuchtungswerte als Planungsorientierung für Projektabstimmung sichern; Gefährdungsbeurteilung und Fachprüfung bleiben maßgeblich, die Unterlage ist kein Sicherheitsbeleuchtungs-Nachweis und ersetzt kein Prüfprotokoll.
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DIN EN 1838 Notbeleuchtung: 1 lx, 0,5 lx, 60 Minuten

DIN EN 1838 beschreibt Planungswerte für Sicherheitsbeleuchtung bei Stromausfall. Ziel:Orientierung und Evakuierung von Personen, auch bei Dunkelheit. In Arbeitsstätten, öffentlichen Gebäuden und Versammlungsstätten projektbezogen zu prüfen.

Diese Tabelle ist eine Planungsorientierung für Projektabstimmung. Ob und wie Sicherheitsbeleuchtung zu planen ist, ergibt sich aus Gefährdungsbeurteilung, Bauordnungsrecht, Betreiberkonzept und Fachplanung; die Seite ist kein Sicherheitsbeleuchtungs-Nachweis und ersetzt kein Prüfprotokoll.

1 lx
Fluchtweg = 1 lx
0,5 lx
Antipanik = 0,5 lx
15 lx
Hochrisikobereich = 15 lx Mindestwert
60 Min
Betriebsdauer = 60 Minuten

Arten der Notbeleuchtung

🚪

Sicherheitsbeleuchtung für Rettungswege

Escape route lighting
Zweck:
Evakuierung bei Stromausfall unterstützen
Anwendung:
Flure, Treppenhäuser, Notausgänge
Beleuchtung:
1 lx (Bodenfläche), 0,5 lx (Mittelachse)
Gleichmäßigkeit:
≥ 40:1 (max/min)
Farbwiedergabe:
Ra ≥ 40
Einordnung: Arbeitsstätten, öffentliche Gebäude
👥

Antipanikbeleuchtung

Anti-panic lighting
Zweck:
Panik vermeiden in großen Räumen
Anwendung:
Veranstaltungssäle, Kinos, Einkaufszentren
Beleuchtung:
0,5 lx (Bodenfläche)
Gleichmäßigkeit:
≥ 40:1 (max/min)
Farbwiedergabe:
Ra ≥ 40
Einordnung: Räume >60 m² für >50 Personen

Sicherheitsbeleuchtung für Arbeitsplätze mit besonderer Gefährdung

High risk task area lighting
Zweck:
Beendigung gefährlicher Prozesse unterstützen
Anwendung:
Chemielabor, OP-Saal, Produktionsanlagen
Beleuchtung:
10% der normalen Beleuchtung, mind. 15 lx
Gleichmäßigkeit:
≥ 10:1 (max/min)
Farbwiedergabe:
Ra ≥ 40
Einordnung: Bei Gefährdung durch plötzliche Dunkelheit

Ersatzbeleuchtung

Standby lighting
Zweck:
Normale Tätigkeit fortführen (optional)
Anwendung:
Krankenhäuser, Rechenzentren, Flughäfen
Beleuchtung:
Wie normale Beleuchtung
Gleichmäßigkeit:
Wie normale Beleuchtung
Farbwiedergabe:
Wie normale Beleuchtung
Einordnung: Freiwillige Ersatzbeleuchtung

Fluchtwegbeleuchtung – Planungswerte

ParameterPlanungswertMesshöheHinweis
Horizontale Beleuchtungsstärke (Boden)
≥ 1 lx
Bodenfläche (0 cm)Entlang der Mittelachse des Fluchtwegs
Minimale Beleuchtungsstärke (Mittelachse)
≥ 0,5 lx
Bodenfläche (0 cm)Gilt für den gesamten Fluchtweg
Gleichmäßigkeit (Verhältnis max/min)
≤ 40:1
-Keine zu großen Helligkeitsunterschiede
Farbwiedergabe (CRI)
≥ Ra 40
-Farbwahrnehmung für Rettungszeichen prüfen
Einschaltzeit
≤ 5 Sekunden (50% Helligkeit)
-Volle Helligkeit nach 60 Sekunden
Betriebsdauer
≥ 1 Stunde (60 Minuten)
-Bei Ausfall der Stromversorgung
Breite des beleuchteten Bereichs
Mind. so breit wie Fluchtweg
-Bei Fluchtwegen >2m: mind. 2m breit

1 Lux = Wie hell ist das?

Vergleich:

  • 1 lx: Vollmondnacht (klarer Himmel)
  • 0,5 lx: Gerade noch ausreichend zum Gehen
  • 10 lx: Schwaches Kerzenlicht (1m Abstand)
  • 500 lx: Normale Bürobeleuchtung

Warum so wenig?

1 lx klingt wenig, ist aber ausreichend!
• Augen sind an Dunkelheitadaptiert (nach Stromausfall)
• Nur zumGehen nötig, nicht zum Lesen
Gleichmäßig verteilt (keine dunklen Ecken)
Zuverlässig wichtiger als hell

Antipanikbeleuchtung – Planungswerte

RaumtypBeleuchtungs-
wert
GleichmäßigkeitMesshöheBeispielBesonderheit
Großraum (>60 m²)0,5 lx (Bodenfläche)≤ 40:1BodenflächeVeranstaltungssaal, Kino, EinkaufszentrumGilt für Räume mit >50 Personen
Fluchtweg-Zugang1 lx (Bodenfläche)≤ 40:1BodenflächeTüren zu NotausgängenÜbergang vom Raum zum Fluchtweg
Notausgangstür5 lx (Türbereich)-An der TürNotausgangstür selbstDamit Tür erkennbar ist

Rettungszeichen – Planungswerte

TypLeuchtdichteVerhältnis
weiß:grün
Größe prüfenSichtweiteEnergieHinweis
Intern beleuchtete Rettungszeichen≥ 2 cd/m² (weiße Fläche)≥ 10:1 (weiß:grün)Mind. A4 (210×297 mm)Bis 50m (bei günstigen Bedingungen)Eigene Batterie oder ZentralbatterieStandard in Deutschland
Extern beleuchtete Rettungszeichen≥ 2 cd/m² (weiße Fläche)≥ 5:1 (weiß:grün)Mind. A4 (210×297 mm)Geringer als intern beleuchtetExterne NotbeleuchtungSelten, da weniger zuverlässig
Nachleuchtende Rettungszeichen≥ 25 mcd/m² (nach 10 Min.)-Mind. A4 (210×297 mm)Nur bei guter AufladungKeine (phosphoreszierend)Nicht EN 1838 konform! Nur Ergänzung

Nachleuchtende Zeichen nur als Ergänzung prüfen

Nachleuchtende (phosphoreszierende) Rettungszeichen leuchten nach, wenn sie vorher mit Licht "aufgeladen" wurden. Als alleinige Sicherheitsbeleuchtung sind sie projektbezogen kritisch zu prüfen.

• Probleme:
  • Abhängig von Vorbeleuchtung (bei dauernder Dunkelheit: keine Aufladung)
  • Leuchtkraft nimmt schnell ab (nach 10 Min. nur noch 25 mcd/m²)
  • Bei Stromausfall + Dunkelheit: schnell unsichtbar
  • Nicht zuverlässig genug für Notfälle
• Erlaubt als:
  • Zusätzliche Kennzeichnung (ergänzend zu beleuchteten Zeichen)
  • Bodenmarkierungen (zusätzlich zu Notbeleuchtung)
  • Handläufe, Türgriffe (taktile Orientierung)

Fazit: Nachleuchtende Markierungen eher alsErgänzung einplanen, nicht als Ersatz für ein Sicherheitsbeleuchtungskonzept.

Betriebsdauer nach Gebäudetyp

GebäudetypMindest-
Betriebsdauer
RechtsgrundlageHinweis
Arbeitsstätten (normal)
60 Minuten
ASR A2.3, EN 1838Standard für Büros, Werkstätten
Versammlungsstätten
60 Minuten
EN 1838, VersammlungsstättenverordnungKino, Theater, Konzerthallen
Beherbergungsstätten (Hotels)
60 Minuten
BeherbergungsstättenverordnungHotels, Pensionen, Jugendherbergen
Hochhäuser (>22m)
180 Minuten (3 Stunden)
Musterbauordnung § 51Längere Evakuierung einplanen
Krankenhäuser
180 Minuten (3 Stunden)
KrankenhausbauverordnungPatienten können nicht schnell evakuiert werden
Verkaufsstätten (>2000 m²)
60-180 Minuten
VerkaufsstättenverordnungAbhängig von Größe und Personenzahl

Wichtig: Die Betriebsdauer wird als Betriebohne Nachladung betrachtet. Akkus werden deshalb für 60-180 Minuten Dauerbetrieb ausgelegt. Prüfintervalle projektbezogen festlegen.

Prüfung & Wartung

IntervallPrüfungMethodeVerantwortlichDokumentation
TäglichSichtprüfung (Kontrollleuchte)Grüne LED leuchtet = OKHauswart, HausmeisterNach Betreiberkonzept
MonatlichFunktionsprüfung (kurz)Prüftaste drücken, Notbeleuchtung schaltet einHauswart, HausmeisterEmpfohlen (Prüfbuch)
JährlichFunktionstest (Volllast)Netzspannung trennen, 60 Min. Betrieb testenElektrofachkraftErforderlich nach Betreiberkonzept/Prüfbuch
Alle 4 JahreAkkutausch (präventiv)Batterie/Akku ersetzenElektrofachkraftNach Betreiberkonzept
Bei VerdachtLux-Messung (Beleuchtungsstärke)Luxmeter, Messung auf BodenflächeSachverständigerErforderlich bei Mängeln

Prüforientierung für Betreiber

Betreiber- und Prüfaufgaben projektbezogen klären:

  • Funktionsprüfung: Intervall nach Betreiberkonzept prüfen
  • Volllasttest: Dauerbetrieb ohne Netzspannung fachlich prüfen
  • Dokumentation: Prüfprotokolle nach Betreiberkonzept aufbewahren
  • Mängel: Bewertung und Abstellung mit Fachbetrieb klären
  • Akkutausch: Präventiv nach Herstellerdaten oder bei Defekt

Betreiberpflichten, Haftung und Auflagen projektbezogen mit Fachplaner, Betreiber und zuständiger Stelle klären.

Häufige Fragen

Brauche ich Notbeleuchtung in meinem Büro?

Das hängt von Gefährdungsbeurteilung und Gebäude ab. NachASR A2.3(Arbeitsstättenregel) kann Sicherheitsbeleuchtung zu prüfen sein für:
Arbeitsstätten ohne ausreichendes Tageslicht
Fluchtwege (Flure, Treppenhäuser)
Räume > 2.000 m² (Antipanik)
Gefährdete Arbeitsplätze (z.B. Labor, Produktion)
Ausnahmen: Kleine Büros mit Fenstern + direktem Ausgang ins Freie (Tageslicht kann ausreichen). Bei Zweifel: Gefährdungsbeurteilung durchführen.

Was ist der Unterschied zwischen Notbeleuchtung und Ersatzbeleuchtung?

Zwei verschiedene Systeme:
Notbeleuchtung (EN 1838): Sicherheitsbeleuchtung fürEvakuierung. Nur 1 lx, reicht zum Gehen; nach ASR A2.3 im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu bewerten.
Ersatzbeleuchtung: ErmöglichtWeiterarbeit bei Stromausfall. Normale Helligkeit (z.B. 500 lx).Freiwillig (z.B. Krankenhäuser, Rechenzentren).
Beispiel: Krankenhaus hatbeides – Notbeleuchtung (1 lx) für Fluchtwege + Ersatzbeleuchtung (500 lx) für OP-Säle.

Wie lange funktioniert die Notbeleuchtung in der Planung?

60 Minuten werden häufig als Planungswert genutzt (EN 1838, ASR A2.3).Projektbezogen prüfen:
Hochhäuser: 180 Minuten (3 Stunden)
Krankenhäuser: 180 Minuten (Patienten können nicht schnell evakuiert werden)
Verkaufsstätten > 2.000 m²: 60-180 Minuten (abhängig von Größe)
Hotels: 60 Minuten als häufiger Ausgangswert
Wichtig: Betriebsdauer ohne Nachladung. Akku, Alterung und Prüfung projektbezogen dimensionieren.

Was passiert, wenn die Notbeleuchtung ausfällt?

Dann ist eine Betreiberbewertung zu klären:
Mangelbewertung: Ausfall dokumentieren und Ursache prüfen
Betriebsentscheidung: Nutzung, Ersatzmaßnahmen oder Sperrung fachlich klären
Haftung: Betreiberpflichten und Versicherungsfragen projektbezogen prüfen
Instandsetzung: Fachbetrieb oder Fachplaner einbinden
Betreiberaufgabe: Ausfall nicht ignorieren, sondern dokumentiert abstellen lassen.

Zentrale oder dezentrale Notbeleuchtung – was ist besser?

Zwei Systeme:
Dezentral (Einzelbatterie):
• Jede Leuchte hat eigene Batterie
Vorteil: Einfache Installation, ausfallsicher (eine Leuchte defekt = Rest funktioniert)
Nachteil: Viele Batterien zu warten, teurer bei großen Anlagen
Zentral (Zentralbatterie):
• Eine große Batterie für alle Leuchten
Vorteil: Einfache Wartung, günstiger bei > 50 Leuchten
Nachteil: Aufwändige Installation (Kabel), bei Ausfall der Zentrale: alles dunkel
Empfehlung: Kleine Gebäude (< 50 Leuchten): dezentral. Große Gebäude: zentral.

Normen & Vorschriften

Relevante Normen

DIN EN 1838 (2013)

Europäische Norm "Angewandte Lichttechnik – Notbeleuchtung". Beschreibt Anforderungen an Sicherheitsbeleuchtung, Fluchtwegbeleuchtung, Antipanikbeleuchtung.

ASR A2.3 (Arbeitsstättenregel)

"Fluchtwege und Notausgänge". Verweist auf EN 1838 für technische Anforderungen. Im Arbeitsstättenkontext zusammen mit Gefährdungsbeurteilung zu prüfen.

DIN VDE 0108 (Sicherheitsbeleuchtungsanlagen)

Ergänzung zu EN 1838: Installation, Wartung, Prüfung von Sicherheitsbeleuchtung. Technische Ausführung, Stromversorgung, Dokumentation.

Landesbauordnungen (LBO)

Baurecht der Bundesländer. Verweisen auf EN 1838 für Sicherheitsbeleuchtung in Sonderbauten (Versammlungsstätten, Hochhäuser, Krankenhäuser).

Projektservice
Projektplanung
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Fluchtwege, Antipanikbereiche und Sonderfälle normbezogen zusammenfassen
Betriebsdauer, Rettungszeichen und Prüffristen projektbezogen abstimmen
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