EN 62471 einfach erklärt: RG0 bis RG3

Die schnelle Orientierung für Blaulicht-Risiko, Risikogruppen und Warnhinweise bei LED.

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Die Risikogruppen- und Gefährdungstabelle als Vorprüfung für LED-Bewertung sichern; Datenblatt und Prüfbericht bleiben maßgeblich, keine Konformitätsbewertung und kein CE- oder EN-62471-Nachweis.
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Kurzantwort

Für normale Wohn- und Büroleuchten sind meist RG0 oder RG1 relevant. RG2 bedeutet: direkten längeren Blick vermeiden und Warnhinweis beachten. RG3 spielt bei gewöhnlicher Allgemeinbeleuchtung praktisch keine Rolle.

Die Übersicht ist eine Orientierung und Vorprüfung für Einkauf und Planung. Datenblatt, Prüfbericht und konkrete Expositionssituation bleiben maßgeblich; sie ist keine Konformitätsbewertung und kein CE- oder EN-62471-Nachweis.

RG0
kein besonderes Risiko
typisch für diffuse Innenleuchten
RG1
geringes Risiko
bei normalem Blickverhalten unkritisch
RG2
Warnhinweis nötig
direkten Blick vermeiden
RG3
hohes Risiko
nicht typisch für Allgemeinbeleuchtung
Blaulicht (400-500 nm)

Weißes LED-Licht entsteht durch blaue LED + Phosphor. Kaltweiße LED (6500K) haben höheren Blauanteil als warmweiße (2700K).

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Risikogruppen nach EN 62471

RG0

Exempt (kein besonderes Risiko im Bewertungsrahmen)
Max. Exposition:
Unbegrenzt

Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch kein besonderes Risiko erwartet

Beispiele: Deckenleuchten, Panels, diffuse LED, matierte Abdeckungen
Kennzeichnung: Keine besondere Warnkennzeichnung im Bewertungsrahmen

RG1

Geringes Risiko
Max. Exposition:
10.000 s (~3 Stunden)

Geringes Risiko bei normalem Blickverhalten im Bewertungsrahmen

Beispiele: Einige Spots, Strahler mit mittlerer Leuchtdichte
Kennzeichnung: Keine besondere Warnkennzeichnung im Bewertungsrahmen

RG2

Mittleres Risiko
Max. Exposition:
100 s

Gefahr bei direktem, längerem Blick in die Lichtquelle

Beispiele: Hochleistungs-Spots, einige LED-Scheinwerfer
Kennzeichnung: Warnhinweis erforderlich

RG3

Hohes Risiko
Max. Exposition:
0,25 s

Schädigung auch bei kurzer Exposition möglich

Beispiele: Laserlicht, ungeschützte Hochleistungs-LED (selten bei Allgemeinbeleuchtung)
Kennzeichnung: Nicht für Allgemeinbeleuchtung ohne Schutzmaßnahmen

Gefährdungsarten nach EN 62471

GefährdungsartWellenlängeZielorganHauptrisiko
Blaulichtgefährdung (retinal)400-500 nmNetzhautLED, kaltweißes Licht
UV-A Gefährdung315-400 nmLinse, HautUV-LED, Schwarzlicht
UV-B/C Gefährdung<315 nmHornhaut, HautUV-Entkeimung
IR-A Gefährdung780-1400 nmNetzhaut, LinseIR-Strahler, Heizlampen
Thermische Gefährdung Haut>380 nmHautHochleistungsstrahler

✓ Schutzmaßnahmen für RG0/RG1

Diffuse Abdeckungen
Matierte oder opale Abdeckungen reduzieren Leuchtdichte
Reflektoren/Optiken
Lenkung des Lichts weg von direkten Blickwinkeln
Warmweiße Farbtemperatur
2700-3000K haben geringeren Blauanteil als 6500K
Indirekte Beleuchtung
Licht wird reflektiert, keine direkte Quelle sichtbar
Höhenmontage
Leuchte außerhalb des normalen Blickfelds installieren

Praxis-Hinweis

Viele LED-Leuchten für Wohn- und Arbeitsbereiche werden als RG0 oder RG1 ausgewiesen; maßgeblich bleiben Herstellerdatenblatt, Prüfbericht und konkrete Montage- bzw. Blicksituation.

  • RG0/RG1: Schutzbedarf anhand Datenblatt und Einsatzfall prüfen
  • RG2: Warnhinweis auf Verpackung/Leuchte beachten
  • RG3: In Allgemeinbeleuchtung praktisch nicht vorhanden

🛒 Kaufberatung: Sicherheit in der gewerblichen Lichtplanung

Bei der Ausschreibung und dem Kauf von LED-Leuchten für gewerbliche Projekte (Büros, Industriehallen, Kindergärten) ist die Risikogruppeneinstufung relevant für die technische Dokumentation:

1. Arbeitsstättenrichtlinie (ASR)

Für normale Bildschirmarbeitsplätze oder Produktionshallen wird häufig RG0 oder RG1 als Zielwert vorgegeben. Die Gefährdungsbeurteilung muss trotzdem projektbezogen erfolgen.

2. Sonderfall RG2 (Industriestrahler)

Hochleistungs-Hallenstrahler oder Flutlichtanlagen können wegen extrem hoher Leuchtdichten inRG2 fallen. Diese dürfen nur so montiert werden (Mindestmontagehöhe), dass ein direkter Blickkontakt der Mitarbeiter vermieden wird.

3. Datenblatt-Prüfung

Seriöse B2B-Hersteller dokumentieren die photobiologische Sicherheit nach EN 62471 transparent im Datenblatt. Fehlt diese Angabe (häufig bei Direktimporten), fehlt eine wichtige Grundlage für Freigabe, Einkauf und Betreiberbewertung.

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist photobiologische Sicherheit?

Die Bewertung der potenziellen Gefahr von optischer Strahlung (UV, sichtbar, IR) für Augen und Haut. Bei LED steht die Blaulichtgefährdung im Fokus.

Was bedeutet RG0 bei LED?

RG0 (Exempt) = kein besonderes Risiko im Bewertungsrahmen. Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch wird im Bewertungsrahmen kein besonderes photobiologisches Risiko erwartet; Datenblatt und Einsatzfall bleiben maßgeblich.

Ist Blaulicht von LED gefährlich?

Bei bestimmungsgemäßer Nutzung von RG0-/RG1-Leuchten wird üblicherweise kein besonderes photobiologisches Risiko erwartet. Kritisch können ungeschützte Hochleistungs-LED bei direktem, langem Blick in die Quelle sein.

Was muss bei RG2 Leuchten beachtet werden?

RG2-Leuchten müssen einen Warnhinweis tragen: Direkten Blick in die Lichtquelle vermeiden. Die Bewertungszeit ersetzt keine Freigabe für direkten Blick in die Lichtquelle.

Sind alle LED-Leuchten auf photobiologische Sicherheit geprüft?

Ja, für die CE-Kennzeichnung muss jede LED-Leuchte nach EN 62471 bewertet und einer Risikogruppe zugeordnet werden. Qualitätshersteller geben die RG in technischen Datenblättern an.

Ist LED Blaulicht gefährlich für Kinderaugen?

Kinderaugen sind empfindlicher, da die Linse klarer ist und mehr Blaulicht durchlässt. Bei Kinderzimmern sollte man warmweißes Licht (2700-3000K) und diffuse Leuchten der Risikogruppe RG0 bevorzugen.

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