RCD Auslösezeit Tabelle

Prüforientierung zu Auslösezeiten für FI-Schutzschalter: Standard-RCD und selektive (Typ S) RCDs bei verschiedenen Fehlerströmen.

📌 Kernaussage

Ein Standard-FI mit 30 mA Nennfehlerstrom wird bei 30 mA typischerweise mit300 ms und bei 150 mA (5×IΔn) mit40 ms Prüforientierung bewertet. Diese Werte sind Prüforientierung für Gerät und Anlage; sie ersetzen keine Schutzmaßnahmenprüfung, Netzsystembewertung und Dokumentation.

30 mA bei 1× IΔn = 300 ms
Prüforientierung Standard-RCD
150 mA bei 5× IΔn = 40 ms
schneller Prüfpunkt
0,5× IΔn = Nichtauslösung prüfen
zu frühes Auslösen erkennen
Typ S = selektiv prüfen
nur mit Herstellerdaten und Messung

RCD-Auslösezeiten als Prüforientierung sichern

Die Tabelle ist zuerst eine Prüf- und Dokumentationshilfe. Projektanfragen sollten erst folgen, wenn RCD-Typ, Netzsystem, Verbraucher und Messkontext gemeinsam bewertet werden.

RCD-Auslösezeiten als Prüforientierung

FehlerstromStandard-RCDSelektiv (Typ S)
Prüfwert AuslösezeitPrüfpunkt NichtauslösungPrüfwert AuslösezeitPrüfpunkt Nichtauslösung
0,5 × IΔn
1 × IΔn (30 mA)300 ms500 ms130 ms
2 × IΔn (60 mA)150 ms200 ms60 ms
5 × IΔn (150 mA)40 ms150 ms50 ms

IΔn = Bemessungsfehlerstrom. Die Tabellenwerte dienen der Prüfung des RCD-Verhaltens; die Bewertung der Schutzmaßnahme hängt zusätzlich von Netzsystem, Abschaltbedingung, Berührungsspannung und Anlagenprüfung ab.

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Auslösezeiten und Fehlerstrom-Übersichten als Prüfhilfe speichern; Schutzmaßnahme und Selektivität müssen fachlich bewertet werden.
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Nennfehlerströme (IΔn) Übersicht

IΔnBezeichnungEinsatzbereich
10 mAHochempfindlichSonderanwendungen nach Fachplanung und Herstellerangaben
30 mAZusätzlicher SchutzHäufig für Steckdosen, Beleuchtung, Bad und Außen nach Schutzkonzept
100 mAErgänzendAnlagenschutz oder selektive Schutzkonzepte nach Planung
300 mABrandschutzVorschaltgerät, Brandschutz nach VDE 0100-420
500 mABrandschutzIndustrielle Brandschutzanwendungen

Praxisbeispiele: Kaskadierung & Selektivität

Beispiel 1: Typisches Einfamilienhaus

Ein 30 mA Standard-RCD schützt das Badezimmer. Ein Erdschluss tritt an einem defekten Föhn auf, der exakt 30 mA Fehlerstrom zur Erde ableitet.

  • Prüfwert: Für die Einordnung wird hier 300 ms betrachtet.
  • Labor/Realität: Gute Marken-FI (z.B. Hager, ABB) schalten heute oft bereits nach ca. 15-25 ms ab.
Einordnung: Kurze Auslösezeiten verringern das Risiko, sind aber keine Garantie gegen Verletzung. Entscheidend bleibt die vollständige Schutzmaßnahmenprüfung.

Beispiel 2: Kaskadierung (Wallbox)

Eine Unterverteilung in der Garage (Wallbox) hat einen eigenen 30 mA RCD. Die Zuleitung zur Garage ist im Hauptverteiler durch einen 300 mA RCD als Brandschutz geschützt.

  • Problem bei Standard-RCDs: Es kann passieren, dass mehrere RCDs auslösen und unnötig große Anlagenteile abschalten.
  • Mögliche Lösung: Ein vorgeschalteter RCD kann alsTyp S (selektiv) geplant werden, wenn Selektivität technisch und normativ gefordert ist.
Einordnung: Bei passender Auslegung und Messung kann der nachgeschaltete 30 mA RCD zuerst auslösen. Ob der vorgeschaltete Typ-S-RCD tatsächlich selektiv bleibt, muss mit Herstellerdaten und Prüfprotokoll belegt werden.

RCD-Prüfung nach DGUV V3 und DIN VDE 0100-600

Für Erstprüfung oder Wiederholungsprüfung werden elektrische Anlagen mit geeigneten Messgeräten überprüft und dokumentiert. Die Tabellenwerte helfen bei der Einordnung, sind allein aber kein Nachweis einer sicheren Anlage. Typische Verfahren sind diePulsmessung mit definiertem Prüfstrom und derRampentest, bei dem der Fehlerstrom schrittweise erhöht wird.

Prüfintervalle

Tastenprüfung: Monatlich bis Halbjährlich (Nutzer/Prüftaste)
Messtechnisch: Alle 12 bis 48 Monate (Gewerblich/Ortsfest)
Medizintechnik / Nassraum: Alle 6 bis 12 Monate

Typische Mess- und Prüfpunkte

• Auslösezeit bei 1× IΔn im passenden Prüfmodus
• Auslösezeit bei 5× IΔn, sofern Prüfverfahren und Gerätetyp es vorsehen
• Messung und Bewertung der Berührungsspannung UL
• Prüfung der Nichtauslösung bei 0,5× IΔn

Häufige Fragen

Welche Auslösezeiten dienen als Prüforientierung?

Bei Nennfehlerstrom (z.B. 30 mA) wird ein Standard-RCD typischerweise mit 300 ms Prüforientierung bewertet; bei 5× Nennfehlerstrom (150 mA) mit 40 ms. Selektive RCDs (Typ S) werden gesondert nach Herstellerdaten und Prüfverfahren bewertet.

Warum wird bei 0,5× IΔn die Nichtauslösung geprüft?

Ein RCD (FI-Schutzschalter) hat eine Toleranz. Bei einem 30 mA Schalter bedeutet ein halber Nennfehlerstrom (15 mA) die untere Grenze. Löst der RCD hier bereits aus, ist er zu empfindlich und führt im Alltag zu ständigen, fehlerhaften Abschaltungen durch normale betriebsmäßige Ableitströme (z. B. von Schaltnetzteilen).

Was ist ein selektiver RCD (Typ S)?

Ein selektiver RCD hat eine eingebaute Auslöseverzögerung. Er wird eingesetzt, wenn bei mehrstufigen RCD-Anordnungen Selektivität erreicht werden soll. Ob und wo ein Typ-S-RCD erforderlich ist, wird anhand Netzsystem, Schutzkonzept, Herstellerdaten und Messung geprüft.

Wie misst man die FI-Auslösezeit korrekt?

Für Erstprüfung oder Wiederholungsprüfung wird ein geeignetes Installationstestgerät verwendet. Es erzeugt definierte Prüfströme und misst die Auslösezeit; die Bewertung muss zum Netzsystem, Schutzkonzept und Prüfverfahren passen.

Welchen FI brauche ich?

Unsere Auswahl-Hilfe empfiehlt den passenden RCD-Typ für Ihre Anwendung.

Zur FI-Auswahl-Hilfe →

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